kogag Agentur für Live-Kommunikation stellt Insolvenzantrag
2. November 2011 | Von aw | Kategorie: Agenturen, Live-Kommunikation, NewsDie kogag Agentur für Live-Kommunikation Gmbh hat heute Vormittag beim Amtsgericht Wuppertal den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Damit begibt sich die erste und älteste Agentur für Live-Kommunikation Deutschlands in die Hände eines Insolvenzverwalters.
Eine durchaus positive Prognose der Geschäftsentwicklung im ersten Quartal des Jahres 2011 wurde in den darauf folgenden Monaten durch eine Reihe von negativen Ereignissen zunichte gemacht. Nun ist die Solinger Agentur nicht mehr in der Lage die entstandene Krise aus eigener Kraft zu überwinden.
Verschärfte Marktbedingungen, aufwendige Pitchrunden und sich stetig verringernde Margen, haben die Agentur notwendige Reserven gekostet. Außerdem wurde die Agentur in den letzten zwei Jahren massiv durch das illoyale Verhalten ehemaliger Mitarbeiter geschädigt. Der dadurch entstandene Verlust langjähriger Etats, die das Rückgrat der Agenturerträge bildeten, konnten nicht mehr kompensiert werden. Für die Finanzsituation erschwerend hinzu gekommen sind das mangelnde Engagement der Banken, der Rechtstreit mit einem amerikanischen Automobilhersteller für die Durchführung von Händler-veranstaltungen, sowie die teilweise sehr schlechte Zahlungsmoral der Kunden.
„Es ist für mich eine extrem schmerzhafte Situation, trotz intensivster Bemühungen und Anstrengungen, nach 41 Jahren diesen Weg gehen zu müssen. Besonders leid tut es mir um unsere loyalen Mitarbeiter und Zulieferer. Wir werden alles dafür tun, um für sie und alle anderen Beteiligten eine gute Lösung zu finden“ so der geschäftsführender Gesellschafter Ralf Domning.
Berechtigte Hoffnung hierfür ergibt die Tatsache, dass ein renommierter Sanierer mit den jetzt erforderlichen Maßnahmen beauftragt wurde.
Wichtig zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die Agentur kogag : brand activation gmbh unter der Geschäftsführung von Andreas Kessemeier nicht von dieser Maßnahme betroffen ist und ihre Geschäfte im vollen Umfang eigenständig fortführt, so dass die jahrzehntelange Kompetenz der kogag erhalten bleibt.





Lieber Ex-Kollege Gentgen,
es ist vieles richtig, was Sie schreiben (nur leider viel zu ausführlich, aber es ist ja ein hoch emotionales Thema).
Nur – mit den illoyalen Mitarbeitern sind nur sehr wenige gemeint, das begann auch schon vor Ihrer Zeit. In der
Summe hat sich seit 2002 ein beispielloser Kunden- und Mitarbeiterverlust addiert. Allerdings hat die kogag-GF
auch eine Menge strategische Fehler gemacht (Trends verschlafen und eine verfehlte Markenführung). Insgesamt haben diese Faktoren i.V.m. der hohen Kostenbelastung durch den Anbau zu dem fatalen und traurigem Ergebnis geführt.
„Royale“ statt illoyale Mitarbeiter
Es tut mir wirklich sehr leid, dass die kogag Insolvenz anmelden musste. Ich hatte dort von 2003 bis 2006 eine sehr schöne Zeit. Ich durfte viel tolle Menschen auf allen Hierarchie Ebenen kennenlernen und mit ihnen intensiv und teamorientiert zusammenarbeiten.
In meinen drei Jahren dort, in denen es immer mal wieder besonders stressige und (übrigens auch damals schon) wirtschaftlich schwierige Phasen gab, habe ich persönlich immer eine sehr starke Loyalität der Mitarbeiter gegenüber der kogag erlebt und gespürt.
Viele (ehemalige) Mitarbeiter haben kogag „gelebt“ und viele sind wirklich stolz darauf gewesen, bei der kogag zu arbeiten. Auch ich. Und das gilt und galt für mich und sicher auch viele anderen (ehemaligen) Mitarbeiter auch bis heute. Oder vielmehr bis gestern!!!
Seit ich gestern die Pressemitteilung der kogag zur Insolvenzanmeldung gelesen habe, verspüre ich irgendwie keinen Stolz mehr. Im Gegenteil, ich bin sehr enttäuscht!
Was die kogag GF (mittlerweile ja nur noch Ralf und Marc Domning) in Ihrer Pressemitteilungen an massiven Anschuldigungen gegenüber kogag Mitarbeitern geäußert hat, ist aus meiner persönlichen Sicht völlig unprofessionell und schadet dem Sanierungsvorhaben viel mehr, als dass es hilft.
Als Kernaussage entnehme ich der Pressemitteilung: Die kogag GF hat (immer) alles richtig gemacht und ausschließlich(!) der Markt, die Banken, die Kunden und insbesondere einige angeblich „illoyale“ Mitarbeiter sind schuld daran, dass die kogag jetzt Insolvenz anmelden musste.
Viel passender und auch für die Sanierung sinnvoller gefunden hätte ich, wenn in der Pressemitteilung wenigstens ansatzweise erkennbar gewesen wäre, dass sich die kogag GF auch selbstkritisch an die eigene Nase gefasst hat. Eigenverantwortliche Äußerungen wären ein kommunikativ wichtiger Schritt in Richtung Öffentlichkeit, potentieller Investoren und insbesondere gegenüber allen ehemaligen kogag Mitarbeitern (gewesen).
Stattdessen hat die Pressemitteilung für sehr viel Unmut gesorgt. Das kann man seit gestern auch sehr deutlich in der Facebook Gruppe „kogagex“ nachlesen (aktuell 159 Mitglieder, d.h. ehemalige Mitarbeiter die seit Gründung der kogag mindestens 6 Monate bei der kogag gearbeitet haben). Da äußern sich viele “kogagex” wirklich sehr enttäuscht von der aktuellen und auch früheren kogag GF.
Ich möchte gerne nachfolgend zwei Fragen zur Diskussion in den Raum stellen: Wo beginnt „illoyales“ Verhalten der Mitarbeiter? Und noch viel entscheidender: Welche Möglichkeiten hat eine GF pro aktiv und präventiv dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter zufrieden und dadurch mit Sicherheit auch (noch) loyal(er) sind?
Meine persönliche Meinung dazu: Event-Business ist People-Business. Es wird von Menschen für Menschen gemacht. Zwischenmenschliche Beziehungen, Kommunikation und Emotionen mit- und untereinander spielen dabei eine sehr große Rolle. Die Erfolgsformel lautet doch: Mitarbeiterzufriedenheit bedeutet Kundenzufriedenheit! Kundenzufriedenheit bedeutet langfristigen Erfolg! Und Erfolg führt in der Regel nicht in die Insolvenz!
Was genau hat die kogag GF in den letzten Jahr(zehnt)en unternommen, um ihre Mitarbeiter zu motivieren, ihre Zufriedenheit zu erhöhen und sie damit bei der kogag zu halten und sie langfristig zu binden? Wie sehr hat die kogag GF sich für die Stimmung der Mitarbeiter interessiert? Wie oft – und vor allem auch auf welche Art und Weise – hat die kogag GF mit ihren Mitarbeitern offen und ehrlich kommuniziert?
Wenn ein unzufriedener Mitarbeiter die kogag verlässt, dann ist das meist die Folge von innerer Kündigung. Diese hat meist schon lange vor der tatsächlichen Kündigung stattgefunden. Wenn ein solcher Mitarbeiter während seines Kündigungsprozesses seine weitere Zukunft plant und vielleicht mit Kollegen und ggf. auch schon mit seinen direkten Kunden darüber spricht, dass er das Unternehmen verlassen wird, so ist das doch noch nicht „illoyal“, oder? Ferner ist es ebenso wenig „illoyal“, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter sich dafür einsetzt, dass er seine persönlichen guten Kundenbeziehungen auch mitnimmt. Mit in eine andere Agentur oder mit in die Selbständigkeit. Ganz egal. Es ist doch völlig normal, dass ein zufriedener Kunde seinem Betreuer auf Agenturseite folgt, wenn das vertraglich möglich ist. Und im Zeitalter von Projektverträgen geht das nun mal sehr schnell und unkompliziert. Dann gibt es vielleicht keinen neuen Pitch sondern einfach nur einen Agenturwechsel. Aber – und das ist entscheidend – keinen Personenwechsel!
Für mich ist es nicht „illoyal“, wenn ein Mitarbeiter (einen) Kunde(n) mitnimmt, solange er sich dabei an das Gesetz hält. Für mich ist das ganz normaler Wettbewerb. Und sein wir doch mal ganz ehrlich: Von diesem Wettbewerb hat auch die kogag selbst jahrelang profitiert!!!! Wenn man als Mitarbeiter „seine” Kunden mit zur kogag gebracht hat, dann fand das die GF nicht nur gut sondern auch völlig normal. Zudem sollten die kogag Mitarbeiter in kollektiven Akquise-Phasen ja auch immer verstärkt „ihre“ persönlichen Kontakte angehen und zur kogag ziehen. Ich weiß von einigen ehemaligen Kollegen, dass sie sehr lukrative Kunden mit in die kogag und der kogag damit auch gutes Geld eingebracht haben. Ist es da „illoyal“, wenn die gleichen Mitarbeiter diese Kunden auch wieder mitnehmen, wenn sie gehen? Ich denke nicht.
Selbst wenn man während der kogag Zeit einen Kunden übernommen, neu gewonnen und/ oder ausgebaut hat, so wird dieser Kunde noch lange kein Eigentum der kogag. Das Eigentum der kogag zu klauen, wäre gewiss „illoyal“. Hingegen Kunden zu begeistern, zu binden und erfolgreiche Projekte für sie durchzuführen ist aus meiner Sicht eher „royal“. Denn der Kunde ist doch letztendlich der „König“, der die Agentur (Honorar-)Rechnungen bezahlt. Von denen dann wiederum die Mitarbeiter und Lieferanten bezahlt werden können und so in der Regel auch keine Zahlungsschwierigkeiten (oder gar Zahlungsunfähigkeit = Insolvenz) entstehen. Ich habe bei meiner kogag Zeit überwiegen sehr „royale“ Mitarbeiter kennengelernt.
Ich wünsche der kogag nach wie vor viel Erfolg bei der Sanierung! Dabei denke ich vor allem an die noch offiziell 65 verbliebenden „royalen“ Mitarbeiter.
Und ich wünsche allen, die in dieser Branche Mitarbeiter führen: Hört Euren Mitarbeitern gut zu! Lauscht dem „Flurfunk“! Geht individuell(!) auf sie ein! Nehmt euch Zeit für sie! Nehmt euch Zeit für Personalführung! Fragt Eure Mitarbeiter nach ihrer Meinung? Seid präsent! Sprecht mit Ihnen und zwar nicht nur 1-2x pro Jahr bei einem Mitarbeitergespräch. Da könnte es bereits zu spät sein! Alleine mit diesen rein „kommunikativen“ Maßnahmen lässt sich die Mitarbeiterzufriedenheit mit Sicherheit erhöhen und damit die Fluktuation (mit oder ohne Kunden) verringern.
Warum fällt die „interne“ Kommunikation so vielen Kommunikationsagenturen eigentlich oft so schwer? Warum investieren Kommunikationsagenturen so wenig Zeit und Geld in „interne“ Kommunikation? Aus meiner Sicht besteht hier noch sehr viel (Nachhol-)Bedarf.
Übrigens bestätigt bereits seit Jahren eine wissenschaftliche Studie des Gallup-Instituts in Berlin: Je höher die emotionale Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen, desto geringer die Fluktuationsneigung…und damit desto höher die Loyalität! Aktuelle Zahlen der Gallup Studie 2010 für Deutschland: Nur gerade mal 13% der 1.920 befragten ArbeitnehmerInnen haben „eine hohe emotionale Bindung an den Arbeitsplatz“, 66% – also die Masse – hat „eine geringe emotionale Bindung…“ und 21% sind sogar „ohne emotionale Bindung….“, d.h. sie haben innerlich bereits gekündigt!
Fazit: 87%(!!!) der befragten ArbeitnehmerInnen in Deutschland haben eine geringe oder keine emotionale Bindung an Ihren Arbeitsplatz. Erschreckende Zahlen wie ich meine! Und noch erschreckender finde ich, dass sich an diesen Zahlen seit 10 Jahren nur mal zwischendurch und marginal etwas in positive Richtung verändert hat. Es ist eher schlimmer geworden! Und das obwohl die Folgen(kosten) von Mitarbeitern mit inneren Kündigungen für die Unternehmen erheblich und durch die Gallup Studie auch deutlich thematisiert werden.
Last but not least wünsche ich uns „royalen“ und „loyalen“ ehemaligen kogag Mitarbeitern, dass sich die kogag GF für die öffentlichen Anschuldigungen auch genauso öffentlich wieder bei uns entschuldigt.
Auf (Nach)Fragen der Presse nicht zu reagieren und selbst intern scheinbar nach wie vor nicht klar und eindeutig zu kommunizieren, ist sehr kontraproduktiv. Gerade in dieser schweren Zeit benötigt die kogag ein gutes Bild nach außen. Und die kogag benötigt 65 verbleibende Mitarbeiter die nach wie vor an die kogag glauben und hochmotiviert (weiter)arbeiten. Sonst wird das nichts mit der Rettung!
Ich weiß aus ganz persönlicher Erfahrung was ein Insolvenzverfahren für einen Mitarbeiter bedeutet. Ich habe 2001 genau zu der Zeit bei „Michael Vagedes Eventkommunikation“ in Hamburg gearbeitet, als die Agentur Insolvenz anmelden musste bevor sie letztendlich von der „Grey Global Group“ aufgekauft und damit „gerettet“ wurde. Ich kenne das Gefühl, wie ein Mitarbeiter sich fühlt, der trotz Insolvenzphase und Angst um den eigenen Arbeitsplatz und damit um sein Gehalt / seine finanzielle Existenz (es gibt ja nur 3 Monate Insolvenzgeld von der „Agentur für Arbeit“ und danach keinen Cent mehr, solange bis die Agentur saniert wird und der „Retter“ die Gehälter wieder weiterzahlt) trotzdem motiviert und professionell laufende Projekte abarbeiten und jede kleinste Projektinvestition mit dem Insolvenzverwalter persönlich abstimmen muss.
Mein Rat an die kogag GF: Machen Sie es nicht noch schlimmer als es schon ist! Reden Sie mit Ihren Mitarbeitern! Klären Sie sie auf! Geben Sie Ihnen Hoffnung. Und gestehen Sie auch Fehler ein, sonst machen Sie es noch schlimmer und sich (weiter) unglaubwürdig. Sie brauchen Ihren Mitarbeiter jetzt mehr denn je. Und sie brauchen deren emotionale Bindung, Loyalität und Royalität. Sonst wird das nichts mit der Sanierung.
Denn – und da schließt sich der Kreis – potentielle Investoren „retten“ die kogag nicht, weil der Name so schön klingt, oder die kogag die erste und älteste Eventagentur in Deutschland ist oder die kogag vielleicht früher ein paar EVA Awards gewonnen hat oder eine tolle Marke war oder vielleicht noch ist. Sondern Investoren kaufen vielmehr die Mitarbeiter der kogag und deren Beziehungen zu deren Kunden. Es geht um Menschen. Und Menschen kommen, folgen und/ oder gehen. Im (Event-)Business wie im privaten Leben. Zwischenmenschliche „interne“ Kommunikation hilft dabei immer!
[...] Währung. Wenn kogag-Chef Ralf Domning nun also „illoyale(s) Verhalten ehemaliger Mitarbeiter“ als einen der Gründe für die Zahlungsschwirigkeiten der traditionsreichen Event-Schmiede angibt, ist dies ein schwerer [...]