Eventpreisbrecher, Top oder Flopp?
12. Februar 2010 | Von aw | Kategorie: Nachgefragt, Seitenblicke
In der vergangenen Woche sorgte eine Meldung für reichlich Gesprächsbedarf. Das Angebot des Eventpreisbrechers wurde nicht nur in unserem Blog kontrovers diskutiert, sondern fand sich auch in anderen Medien wie z.B. Absatzwirtschaft wieder.
Das Eventblog hat daraufhin 15 führenden Agenturen für Live-Kommunikation zu diesem Thema angefragt. 2 Agenturen sagten Ihre Stellungnahme kurzfristig ab und 7 Agenturen scheint dieses Thema erst gar nicht zu interessieren.
Lediglich Avantgarde Gesellschaft für Kommunikation mbH aus München war zu einer Stellungnahme bereit. Martin Schnaack, Geschäftsführer Avantgarde, sagt zum Thema „Events zu Festpreisen“:
Solche Low-Budget-Angebote sind vielleicht gut für Leute, die Kindergeburtstage im besonderen Rahmen feiern wollen. Aber sicher nichts für Markenartikler, die ernsthaftes Eventmarketing betreiben. Denn die Frage ist ja nicht: Für wie billig bekomme ich ein 0815-Konzept? Sondern: Wie sieht am Ende mein Event aus? Und zwar völlig unabhängig davon, ob die Veranstaltung in Hamburg oder Berlin stattfindet, oder ob sie für 100 oder 200 Teilnehmer gemacht ist.
Diese beiden für eine Festpreiskalkulation in Betracht gezogenen Kriterien sind zweitrangig. Um die Inhalte und die Art der Inszenierung geht es. Will ich ein gigantisches Feuerwerk? Oder nur eine Silvesterrakete zünden? Fürs Feuerwerk brauche ich eine Agentur, die mir aufgrund ihrer Erfahrung und Kontakte genau das Richtige zum besten Preis anbietet. Die Silvesterrakete dagegen kann auch der Standardkalkulierer auf einer anonymen Online-Plattform verkaufen.
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Wir haben sowohl die Diskussionen wie auch die Stellungnahme von Avantgarde zum Anlass genommen, noch einmal bei Pete Cramer, dem Anbieter des Eventpreisbrechers, nachzuhaken. Lesen Sie hier das Interview, das Das Eventblog gestern mit Pete Cramer geführt hat:
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Herr Cramer, die Initiierung vom Eventpreisbrecher hat doch für einige Unruhe gesorgt. Haben Sie damit gerechnet?
Was die Eventbranche betrifft natürlich ja. Ihre Anfrage bei Agenturen zeigt aber auch, dass Ihnen lediglich eine von 15 Agenturen ein Feedback gegeben hat. Viel Kritisches gibt es offensichtlich seitens der Agenturen nicht anzumerken. Im Gegenteil, dass Feedback ist sehr groß und sehr positiv. Das hatte ich in dieser frühen Phase noch nicht erwartet. Im Moment finden wir nur Online statt und füllen bereits die ersten fünf Google-Seiten. Mir liegen mittlerweile schon 9 Initiativ-Bewerbungen von Event-Freelancern vor und diese weisen in ihren Referenzen auch einige der Agenturen aus, die Sie gefragt haben…
Das Konzept zielt, auf den ersten Blick, auf klassische Mitarbeiterevents oder Weihnachtsfeiern ab. Ist mit diesem Angebot eine Markeninszenierung überhaupt möglich?
Ist bei diesen Mitarbeiterevents und Weihnachtsfeiern eine Markeninszenierung überhaupt gefragt? Und wenn doch, warum soll das Konzept dies dann nicht leisten können?
Weckt der Auftritt unter Eventpreisbrecher.de nicht eher den Eindruck eines Low-Budget Anbieters ohne fundierte Hintergründe?
Ja, das ist teilweise richtig und das werden wir demnächst verbessern, noch sind wir in der Pre-Launch-Phase. Wir werden das Freelancer-Netzwerk deutlicher machen und damit auch die vorhandenen Qualitäten besser herausstelle. Auch wird es in der zweiten Jahreshälfte ein ausgeklügeltes Empfehlungsmarketing-Konzept für Dienstleister geben. Hier sind wir, aufgrund unseres provisionsfreien Abrechnungsmodels, nicht nur ein gern gesehener Geschäftspartner, sondern auch ein Partner den man sehr gerne weiter empfiehlt. Bei der Gestaltung bleiben wir laut.
Im Internet schreiben Sie zu den Festpreisen, dass diese inklusive Konzeption und Organisation für die angegebenen Personenzahlen sind. Das heißt, das sowohl Umfang der Konzeption wie auch Umfang der Organisation keine Rolle spielt ,solange die Personenzahl eingehalten wird, ist das korrekt?
Ja, das ist so korrekt und auch die Dauer des Events spielt keine Rolle.
Sie schreiben im Internet weiter, Konzeption und Organisation sind für die angegebenen Personenzahlen inkludiert, die Umsetzung vor Ort jedoch nicht. Ist das nicht inkonsequent bei einem Low-Cost-Anbieter bzw. ist das nicht das Billigflugprinzip 19,99€ für den Flug und 250€ für den Koffer?
Da wir Umfang und Dauer vor Erhalt des Briefings nicht kennen, lässt sich vorab kein Festpreis für die Umsetzung kalkulieren. Darüber hinaus muß der Kunde das Event nicht durch uns umsetzen lassen, das bieten wir optional an. An Ihrem Beispiel festgemacht kann der Low-Cost-Anbieter ja im Vorfeld auch nicht wissen ob der Passagier ein Handgepäck-Stück oder einen Cargo-Container mitnehmen möchte und ist ihm 250,- € für die Gepäckbeförderung zu teuer, kann er hierfür ja auch eine Alternative wählen, z.B. den Koffer mit der Post schicken.
Das heißt, dass Sie sich vorwiegend über Kick-backs/ Provisionszahlungen von Dienstleistern finanzieren?
Nein, genau das tun wir nicht und das hat einen einfachen Grund: die Dienstleister auf dem Eventmarkt sind für uns ein wichtiger Partner. Und das sie das gerne sind und auch bleiben liegt daran, das wir sie eben nicht mit Kick-Backs aussaugen und/oder Provisionen auf Ihre Leistungen aufschlagen und/oder Provisionen von diesen Verlangen. Für unsere Kunden verlangen wir transparente, faire und gute Angebote und diese handeln wir für unsere Kunden aus. Die Qualität für unsere Kunden muß dabei absolut im Vordergrund stehen! Für unsere Kunden rechnen wir diese Leistungen völlig transparent und 1:1 ab. Und wenn der Kunde das wünscht kann er den Dienstleister gerne auch direkt bezahlen. Das fordern und erwarten die Kunden heute, bei uns bekommen sie das auch.
Läuft man mit solch einem Konzept nicht Gefahr, dass der Kunde nur mit „Billigangeboten“ gelockt wird, im Anschluss aber weit über den offerierten Budgets liegt, da vieles als Extra berechnet wird?
Nein, gar nicht, da die Kunden sehr wohl einschätzen können, wie umfangreich ihr Briefing in der Umsetzung wird. Sie wissen sehr wohl was an Fremdkosten auf sie zukommt, sie kennen ihr Business. Und sie begrüßen es, das sie auch von der Agentur einen Festpreis bekommen und keine Position die da heißt: Abrechnung nach Aufwand…
Konzeptionell darf der Kunde bei diesen Preisen wohl nicht viel erwarten. Arbeiten Sie hier mit vorgefertigten Schubladen-Konzepten, die nur mit dem jeweiligen Kundenlogo bestückt werden?
Der Kunde darf bei uns sehr viel erwarten! Unsere Konzepte sind in Inhalt und Qualität im oberen Segment und bieten eine zuverlässige Event-Exekutive. Unser Zielmarkt sind die Corporate Events und hier bieten wir nicht nur preislich die besten Lösungen im Markt. Uns wird von Eventagenturen gerne unterstellt, dass man bei solchen Preisen sicherlich keine Qualität bieten kann. Das ist Blödsinn, denn die Qualität einer Idee hängt nicht vom Preis ab! Fakt ist doch, dass die meisten Eventagenturen – auch die von Ihnen angefragten – tagtäglich ihre Ideen und Konzepte vor Kunden völlig honorar- und kostenfrei präsentieren! Kann man jetzt daraus ableiten, dass man von solchen Konzepten gar nichts erwarten darf…? Wir dagegen nehmen an einem Pitch nur gegen Zahlung eines Pitchhonorares teil, welche Agentur tut das noch?
Agenturen geben viel Geld aus für die Erstellung von Konzeptionen. Das reicht von Kreativen über Grafiker und 3D-Visualisierer bis hin zu Modellbauern. Darauf muss man bei Ihnen dann wohl gänzlich verzichten oder?
Nein gar nicht! Bei uns bekommen die „Kreativen, Grafiker, Visualisierer, Modellbauer, Architekten, etc…“ nur nicht Blanko-Vititenkarten der Agentur in die Hand gedrückt und werden dann vor Kunden als „Mitarbeiter“, oder „feste Freie“ ausgegeben. Sie sind, was sie sind: Zulieferer und Dienstleister und werden unter den Fremdkosten entsprechend erfasst.
Ist die ALDI-sierung der Eventbranche eine neuer Trend, eine Marktlücke oder nur der Versuch der Kundenakquise?
Gestern Abend erzählte mir eine Geschäftspartnerin von einem Pitch, bei einem großen Finanzdienstleister, an dem sie (kostenfrei!) teilgenommen und mit einem wunderbaren strategischen Eventmarketingkonzept (in das sie viel Geld investiert hat) einem Online-Pauschal-Anbieter für Events unterlegen ist. Der Kunde hat seine Entscheidung etwa so begründet: „…der Außendienst kann doch froh sein, das er in Zeiten wie diesen überhaupt noch raus darf….“ Wir holen mit dem Eventpreisbrecher die Kunden dort ab, wo sie aktuell ein Problem haben und dieses Problem ist in erster Linie ein budgetäres. Jemanden dem man den Etat um vielleicht 50% gekürzt hat und dennoch fordert das Eventpensum aufrecht zu halten, der will handfeste Lösungen wie er das schaffen kann, denn es geht dabei auch um seinen Arbeitsplatz. Darüber hinaus begründet sich der Erfolg von Aldi in einem hervorragendem Preis-/Leistung-Verhältnis und einem damit besseren Kundennutzen. Das bieten wir auch.
Wir haben führende Agenturen um eine Stellungnahme zu Ihrem Angebot gebeten. Lediglich eine Agentur war bereit, ein Statement dazu abzugeben. Werden Sie nicht ernst genommen?
Das müssen Sie die Agenturen fragen. Ich denke sie sind clever genug zu schweigen, weil sie genau um die Stärken des Konzeptes wissen.
Martin Schnaack, Geschäftsführer Avantgarde schreibt in seinem Statement „Solche Low-Budget-Angebote sind vielleicht gut für Leute, die Kindergeburtstage im besonderen Rahmen feiern wollen. Aber sicher nichts für Markenartikler, die ernsthaftes Eventmarketing betreiben“ trifft er damit nicht den Kern der Sache?
Nein und sicherlich hat Herr Schnaack sich nicht in der Tiefe mit dem Konzept beschäftigt und wenn doch muß er so was sagen, oder sollte wie alle anderen besser schweigen. Herr Schnaack führt eine tolle Agentur, die eine sehr gute Arbeit macht. Viele Konzepte von Avantgarde gefallen mir außerordentlich. Herr Schnaack weiß aber auch, das die Marke und die damit einhergehende Beratung wie diese zu führen ist, maßgeblich von der Kommunikations-Lead-Agentur geleistet wird und nicht von der Eventagentur. Das ist bei Herrn Schnaack nicht anders und auch er kann sein „gigantisches Event-Feuerwerk“ nur dann zündeln, wenn er das Feuerzeug zum zündeln von der Lead-Agentur gereicht bekommt. Er weiß auch, das ein „Big Bang“ zwar lukrativ für die Eventagentur, aber noch längst keine Kundenbindung ist und die Auftraggeber wissen das mittlerweile auch.
Sie steuern damit ja auch ganz klar gegen die Richtlinien des Verbandes (FME). Es ist also davon auszugehen, dass Sie hier zukünftig auch keine Mitgliedschaft anstreben werden. Hier sind ja führende Agenturen organisiert und erarbeiten, unter anderem, klare Budgetrichtlinien. Diesen widersprechen Sie mit Ihrem Angebot gänzlich, sind andere Agenturen demnach zu teuer oder ist Ihre Leistung einfach nur auf das Minimum reduziert?
Das entscheidet einzig und allein der Kunde.
Verfolgen Sie demnach ein langfristiges Konzept mit dem Eventpreisbrecher oder dient es eher einer kurzfristigen Markt-Etablierung. Sie haben ja die Agentur Brot vnd Spiele – Kontor für Kommunikation. Diese erscheint lediglich im Impressum. Ist also davon auszugehen, dass es neben dem „Billiganbieter“ Eventpreisbrecher auch noch die „Edelvariante“ Brot vnd Spiele geben wird?
Das ist richtig. Unter dem Label „Brot vnd Spiele“ bieten wir eine hochqualifizierte Eventmarketingberatung. Dabei geht es um Konzepte bei denen Maßnahmen der Live-Kommunikation im Zentrum einer Kampagne stehen und die Inhalte sich erfolgreich durch sämtliche zielgruppenrelevante Kommunikationskanäle spielen lassen. Unsere Konzepte verzahnen eine Reihe von Kommunikationsmaßnahmen um ein Eventkonzept und sind „über den Tellerrand von Event“ hinaus angelegt. So sind sie im Ergebnis maximal effizient und erfolgreich. Das habe ich maßgeblich in den letzten 7 Jahren für die Kunden führender Kommunikationsagenturen gemacht und hier kann ich auf exzellente Referenzen verweisen. Wir arbeiten hier, neben Unternehmen, auch für PR-, Werbe- und Eventagenturen.
Herr Cramer wir danken Ihnen für das Interview und werden weiter ein Auge auf den Eventpreisbrecher haben. Alles Gute und viel Erfolg.
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